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Auszüge aus der Festschrift des Trachtenvereins Neukirchen
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Im Besitz des Trachtenvereins
D’ Oberlandler Neukirchen befinden sich zur Zeit zwei Vereinsfahnen
und eine Standarte. In den Protokollbüchern des Vereins finden sich
allerdings Hinweise darauf, dass der Verein eine weitere Standarte
besessen hat.
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Den ersten Hinweis auf eine Fahne findet man am 19. März 1908,
als Hans Schwabenbauer aus Wattersdorf zum Fahnenjunker gewählt
wurde. Im Protokoll dieser Versammlung werden auch zwei Fahnenkassiere
genannt. Diese hatten die Funktion, beim Ausrücken einen bestimmten
Obolus einzukassieren. Eine Standarte wird erstmals im Jahre
1909 erwähnt, als bei einer Vereinsinventur 1 Standarte und 17 Fahnenbänder
aufgeführt wurden. Am Pfingstsonntag des Jahres 1911 stellten sich
die Mitglieder des Trachtenvereins im Wirtsgarten in Neukirchen
zum Gruppenbild auf. Der hervorragenden Qualität dieser Aufnahme
des Fotografen Pöltl aus Miesbach verdanken wir die einzige Ablichtung
dieser Standarte. Bei vielfacher Vergrößerung lässt sich erkennen,
dass es sich bei diesem Banner um eine bemalte Holztafel handelt,
die mit Birkenästen eingefasst ist. Auf einem natur belassenen Stiel
steckt ein lanzenähnlicher Spitz, ebenfalls aus Holz.
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In der Mitte der Tafel sieht man ein rundes Medaillon, das in
naiver Malerei, vor einem Bergpanorama eine Trachtlerin zeigt. Links
oben über dem Medaillon steht der Schriftzug „Gebirgs Tracht“, unten
links erkennt man noch die Buchstaben „d Oberla“, was auf den Vereinsnamen
D’ Oberlandler schließen lässt. Die rechte Seite des Bildes ist
durch Fahnenbänder verdeckt.
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Im Jahre 1911 schaffte sich der Verein eine neue, gestickte Standarte
an. In den Schriftführerbüchern ist weder über den Kauf einer Standarte
noch über die Weihe etwas zu finden. Der einzige Hinweis über die
neue Standarte findet sich in einem Protokoll zur Enthüllung des
Oberländer Denkmals im Jahre 1911. Hier schreibt der Schriftführer:
„Auch wurde anläßlich dieses Festes die neue herrliche Standarte,
ein Kunstwerk der Firma Auer München zum ersten Male mitgetragen“.
Die auf heller Seide gestaltete Vorderseite der Standarte trägt
das Gründungsjahr 1911 über dem im Zentrum abgebildeten Pfarrort
Neukirchen. Eingefasst ist das Bild mit einem Blütenkranz. Die Ecken
des Fahnentuches zieren vier Edelweiß.
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Die Rückseite zeigt auf blaugrüner Seide den Vereinsnamen: „Gebirgs
Tracht Erhalt. V. D’Oberlandler Neukirchen Gegr. 1905“, in großen
gold-gelben Schriftzeichen. Die Ecken sind ebenfalls mit Edelweißblüten
verziert.
Nachdem der Trachtenverein 1921 eine neue Fahne bekommen hatte,
sollte die Standarte verkauft werden. Glücklicherweise kam es nicht
dazu, deshalb blieb das schöne, wertvolle Banner dem Verein bis
heute erhalten.
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Die Vereinsfahne aus dem Jahr 1921 ist eine Arbeit der Fahnenstickerei
Auer aus München. Die Firma Auer beschreibt die Fahne vor ihrer
Fertigung als „einzigartig, da die Einteilung neu ist und es noch
keine Gebirgstrachtenfahne dieser Art gibt“. Die teils hand- und
maschinengestickte Fahne wurde zum Preis von 5.800 Mark angeboten.
Sie sollte komplett mit Stange und Fahnenspitz geliefert werden.
Der einfache Spitz mit Rautenmuster gefiel allerdings nicht, deshalb
wurde er durch das Modell „Schmied von Kochel“ ersetzt. Auf der
Vorderseite zeigt die Fahne den Ort Neukirchen vor den Bergen des
Miesbacher Oberlandes. Eingefasst ist sie von grünen Schriftbändern,
auf denen in großen goldenen Buchstaben, neben dem Gründungsjahr
„1905“ und dem Festjahr „1921“, auch der damalige Vereinsname, „Gebirgstracht
Erhalt.-Verein D’Oberlandler Neukirchen“, zu lesen ist.

Die Rückseite zeigt in einem kreisförmigen, mit Ährenkranz umsäumten
Medaillon, vor einer Martersäule kniend, den hl. Isidor - den Patron
der Landleute. Die blauen Schriftbänder tragen in der Mitte Symbole
des Bauernstandes (Ähren, Rechen, Sense und Sichel) und der Handwerker
(Hammer, Beißzange, Maurerkelle und -hobel). Der mahnende Spruch:
„Acht deiner Heimat Sitt und Tracht, es dir und andern Freude macht“,
grenzt das Fahnentuch nach oben und unten ab. Zum 50-jährigen Gründungsfest
wurde die Seidenfahne restauriert und wiedergeweiht. Das Weihedatum
„1955“ wurde damals auf der Fahnenrückseite, unterhalb des runden
Medaillons, verewigt.
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Die schlicht gehaltene Fahne zeigt auf der Vorderseite, auf dunkelblauem
Samt, eine Ansicht von Neukirchen mit der Pfarrkirche, im Hintergrund
das heimatliche Bergpanorama mit dem Wendelstein. Ein Kreuz über
dem Bild symbolisiert die christliche Gesinnung des Vereins. Auf
der unteren Hälfte der Fahne steht in großen goldenen Lettern der
Vereinsname: „Heimat- u. Volkstrachtenverein D’Oberlandler Neukirchen“, darunter
das Jahr der Gründung „1905“ und das Weihejahr „1980“.
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Die Rückseite ist in dunkelgrünem Samt ausgeführt. Sie zeigt
ein Trachtenpaar vor dem Neukirchner Kreuzberg mit dem Siegeskreuz.
Die abgebildeten Trachtler tragen die Vereinstracht: das Dirndl
ein rotes Miedergewand und der Bursch die original Miesbacher Tracht,
für die Neukirchner charakteristisch der Gamsbart als Hutschmuck.
Unterhalb ist, wie auf der alten Fahne, der Spruch zu lesen: „Acht
Deiner Heimat Sitt und Tracht, es Dir und andern Freude macht“.
Enzian- und Edelweißblüten bilden den unteren Abschluss des mit
Goldborten eingefassten Fahnentuches. Die Fahnenstange ziert eine
Spitze in der Gestalt des Schmied-Balthes, der mit Stachelkeule
und Rautenfahne dargestellt ist. Das Vereinsbanner stammt aus der
Werkstatt der Fahnenstickerei Eibl aus Olching.
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© Josef
Hatzl, Bruck (Text und Bilder)
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